z. Zt. in Arbeit Ein Sumpfteich – also ein flaches, strukturreiches Gewässer mit kleiner Tiefwasserzone und großem Verlandungs-/Sumpfbereich – gehört zu den biodiversitätsstärksten Kleingewässern überhaupt. Ein Sumpfteich bietet gleichzeitig:
offene Wasserflächen
flache, warme Uferzonen
zeitweise überschwemmte Bereiche
dichte Sumpfpflanzen
schlammige Zonen
Totholz- und Steinbereiche
Dadurch entstehen Lebensräume für sehr unterschiedliche Arten mit unterschiedlichen Ansprüchen. Typische Tiergruppen sind: a) Amphibien (z.B. Europäischer Laubfrosch, Teichmolch, Grasfrosch, Erdkröte), da der Sumpfteich ein ideales Laichgewässer ist. Flache, warme Wasserzonen fördern die Entwicklung der Kaulquappen und da es keine Fische gibt erhöht sich der Fortpflanzungserfolg massiv. b) Insekten - Besonders hoch ist die Vielfalt bei Wasserinsekten (z.B. Große Königslibelle, Blaugrüne Mosaikjungfer, Gelbrandkäfer, Rückenschwimmer, Wasserläufer, Köcherfliegenlarven). Viele Arten benötigen genau die Übergangsbereiche zwischen offenem Wasser und dichter Vegetation. c) Vögel - Schon kleine Sumpfteiche ziehen zahlreiche Vogelarten an (z.B. Rohrammer, Schwalben zur Jagd, Singvögel zur Wasseraufnahme). d) Säugetiere – Beispielsweise nutzen Igel Feuchtbereiche als Nahrungshabitat und Fledermäuse jagen über dem Wasser.
Ein Sumpfteich hat oft deutlich mehr Pflanzenarten als ein klassischer Gartenteich. Die Pflanzen sind zentral für:
Sauerstoffproduktion
Nährstoffbindung
Verstecke
Eiablage
Temperaturregulierung
Große Sumpfzonen können einen hohen ökologischen Wert haben. Ein häufiger Irrtum ist, dass „mehr Tiefe = besser“ sei. Für Biodiversität gilt oft das Gegenteil. Große Flachwasserzonen:
erwärmen sich schneller
fördern Insektenlarven
erhöhen Pflanzenwachstum
schaffen mehr Struktur
ermöglichen Amphibienlaich
bieten Nahrung für Vögel
Die höchste Artenzahl findet man meist bei Wassertiefen zwischen 0–40 cm im Randbereich. Die Tiefwasserzone dient eher als Rückzugsraum bei Trockenheit, zur Überwinterung oder als Temperaturpuffer.
Der naturnahe Sumpfteiche verzichten bewusst auf Fische, denn sie fressen Amphibienlaich, Kaulquappen, Libellenlarven und Wasserinsekten. Ein fischfreier Teich hat oft deutlich mehr Artenvielfalt.
Durch Verdunstungskühlung, lokale Luftbefeuchtung und Hitzeminderung gibt es zudem positive Klimaeffekte.
Naturnahe Sumpfteiche dürfen im Sommer teilweise austrocknen und ebenso saisonale Überschwemmungen haben. Dies verhindert die Besiedlung mit Fischen, eine starke Veralgung und eine monotone Vegetation. Denn viele seltene Arten sind genau an solche dynamischen Bedingungen angepasst. Wichtig für die Gestaltung ist eine große Flachwasser/Sumpfzone (60 – 80 %), unterschiedliche Tiefen, integriertes Totholz, ausschließlich heimische Pflanzen, keine Pumpen und keine chemische Wasserpflege.
Wissenschaftlich interessant (nachzulesen z.B. unter www.igb-berlin.de/sites/default/files/media-files/download-files/IGB_Dossier_Small_standing_water_bodies_2023.pdf):
kleine Feuchtgebiete können pro Fläche artenreicher sein als große Seen
die Amphibienvielfalt korreliert stark mit dem Flachwasseranteil
strukturreiche Ufer erhöhen die Insektenvielfalt massiv
temporäre Gewässer fördern seltene Spezialisten
Ein naturnaher Sumpfteich kann damit ökologisch wertvoller sein als ein großer „Zierteich“.